Beschreibung
Fahrzeugbeschreibung
DKW SB 350 – Baujahr 1938 – 2. Serie / lange Ausführung – seltene Hand-Fuß-Kupplung
Zum Verkauf steht eine außergewöhnliche DKW SB 350 aus dem Baujahr 1938, aus der seltenen zweiten Serie, also der langen Ausführung, die lediglich 1937 und 1938 gebaut wurde.
Die DKW besitzt eine für ihr Alter bemerkenswert gut erhaltene, nahezu vollständig originale Lackierung und ist rostfrei. Sie wurde bewusst nicht vollständig restauriert, sondern ihre originale Substanz, Patina und Authentizität erhalten.
Technisch handelt es sich um einen 342-cm³-Einzylinder-Zweitaktmotor mit 11 PS / 8 kW laut Fahrzeugschein. Erstzulassung ist der 08. 11. 1938.
Eine besondere Rarität ist die kombinierte Hand-Fuß-Schaltung mit Hand-Fuß-Kupplung. Insbesondere die Fußkupplung ist außergewöhnlich selten. Eine historische Dokumentation über den ursprünglichen Zweck ist bislang nicht bekannt. Denkbar wäre eine individuelle Sonderausführung für einen besonderen Einsatz, möglicherweise im Renn- bzw. Wettbewerbsbereich, oder für einen Fahrer mit eingeschränkter Nutzung der linken Hand. Dies ist ausdrücklich nicht belegt.
Weitere bemerkenswerte Details sind die Hydronaliumstreifen, ein Sitz mit Sportkante, ausklappbare hintere Sozius-Tritte, ein originaler Fischer-Amal-Vergaser mit offenem 40-mm-Ansaugtrichter, eine originale Hella DM6 Hupe, eine Lichtmaschine mit Einstellfenster zur „Schnelleinstellung“ sowie originale Magura-Lenkerendstopfen. Bis auf wenige Ausnahmen sind originale Ribe-8G-Schrauben verbaut.
Seit 2022 wurde die Maschine über einen Zeitraum von zwei Jahren sorgfältig instandgesetzt. Sämtliche Kabel und Leitungen, Lichtmaschinenkohlen und Glühbirnen wurden erneuert. Der Auspuff wurde durch einen neuen Originalnachbau ersetzt, der Spulenkasten mit originalen alten Ersatzteilen instandgesetzt und alte Beru-Isolator-Zündkerzen verbaut. Lenkerstange und innenliegender Gaszug wurden erneuert bzw. modernisiert. Ausgefressene Gewinde an der Lichtmaschinen-Ankerplatte wurden mittels Laserschweißen bei PSL fachgerecht erneuert.
Die Korkkupplung ist intakt. Getriebe und Kupplungsgehäuse wurden ausschließlich mit Fließfett befüllt.
Zum Fahrzeug gehören umfangreiche historische Unterlagen sowie Zubehör und Ersatzteile: deutsche und schwedische Zulassungsunterlagen, letzter deutscher TÜV-Bericht, historische schwedische Steuernachweise, originale Betriebsanleitung und Ersatzteilliste, Instandsetzungsunterlagen, rollbarer Lagerständer, maßgeschneiderte Abdeckung, Hinterachsständer, zusätzlicher Spulenkasten, Luftfilter, Vergaser, Zündkerzen und weitere Ersatzteile.
Die DKW ist derzeit nicht zugelassen. Eine Probefahrt ist daher nicht möglich. Nach längerer Standzeit sollten Kraftstoff und Zündkerze erneuert sowie die Zündung nochmals optimal eingestellt werden.
Preis: 20. 000 € VB inklusive Zubehör, Ersatzteilen und Dokumentation.
Besichtigung nach Absprache. Lieferung ggf. gegen Aufpreis möglich.
Privatverkauf unter Ausschluss der Sachmängelhaftung.
Historie
Eine DKW, deren Geschichte 1938 beginnt – und deren spannendstes Kapitel bis heute ein Rätsel geblieben ist.
Die DKW SB 350 wurde am 08. November 1938 erstmals zugelassen. Sie stammt aus der seltenen zweiten Serie der SB 350, der langen Ausführung, die nur 1937 und 1938 gebaut wurde.
Über die ersten Jahre ihres Lebens ist bislang nichts bekannt. Die Geschichte zwischen ihrer Erstzulassung 1938 und November 1945 bleibt ein bislang ungeklärtes Kapitel.
Interessant ist jedoch, dass Motor- und Rahmennummer zusammenpassen und beide Komponenten spätestens seit 1945 nachweislich eine Einheit bilden. Es ist daher naheliegend, dass Motor und Rahmen bereits ursprünglich zusammengehörten und möglicherweise gemeinsam das DKW-Werk verlassen haben.
Dann taucht die Maschine wieder auf – im November 1945 in Göteborg, Schweden.
Der erste bekannte schwedische Eintrag führt zu Malte Blohm AB, einem damals renommierten Händler in Göteborg, der unter anderem mit dem Import von Rennmaschinen befasst war. Gerade dieser Umstand macht die Geschichte der DKW besonders interessant.
Wie ein deutsches Vorkriegsmotorrad unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nach Schweden gelangte, konnte trotz Nachforschungen weder von mir noch von den noch lebenden schwedischen Vorbesitzern geklärt werden.
Eine mögliche Erklärung wäre, dass die DKW auf ungewöhnlichem Weg nach Schweden gelangte. Auch die Vermutung, dass sie möglicherweise geschmuggelt wurde, lässt sich heute jedoch nicht beweisen.
Sicher ist lediglich: Im November 1945 war sie in Schweden.
Und dort blieb sie für mehr als 75 Jahre.
Erhalten sind schwedische Zulassungsunterlagen sowie historische Steuernachweise aus den Jahren 1945 bis 1953. Diese Dokumente geben einen seltenen Einblick in die ersten bekannten Nachkriegsjahre des Motorrads.
Die DKW blieb bis 2020 in Schweden, bevor sie über die Niederlande wieder nach Deutschland gelangte. Seit 2022 befindet sie sich in meinem Besitz.
In den folgenden zwei Jahren wurde sie mit viel Augenmerk auf Originalität und historische Substanz instandgesetzt. Dabei wurden zahlreiche technische Komponenten erneuert oder überarbeitet, ohne das Motorrad vollständig zu restaurieren und damit seinen authentischen Charakter zu verändern.
Besonders faszinierend bleibt die ungewöhnliche Hand-Fuß-Kupplung. Ob sie bereits bei der Auslieferung vorhanden war, später für einen bestimmten Fahrer angefertigt wurde oder tatsächlich mit einem besonderen Einsatz – möglicherweise sogar im Rennsport – zusammenhing, lässt sich heute nicht mehr sicher beantworten.
Damit besitzt die DKW zwei Geschichten: eine, die sich anhand von Dokumenten nachvollziehen lässt, und eine zweite, die zwischen 1938 und 1945 im Dunkeln liegt.
Vielleicht war sie ein gewöhnliches Straßenmotorrad. Vielleicht wurde sie für einen besonderen Fahrer umgebaut. Vielleicht spielte sie tatsächlich eine Rolle im Wettbewerb. Vielleicht gelangte sie unter abenteuerlichen Umständen nach Schweden.
Beweisen lässt sich davon heute nichts mehr.
Doch genau diese Lücke macht den besonderen Reiz dieses Motorrads aus.
Mit der DKW wird somit nicht nur ein fast 90 Jahre altes Vorkriegsmotorrad angeboten, sondern auch ein kleines Stück ungeklärter europäischer Motorradgeschichte – inklusive der erhaltenen Dokumente, die ihren Weg ab 1945 nachvollziehbar machen.












