Beschreibung
Kapitel 1: Das Modell
Seit 1965 und dem Erscheinen der Silver Shadow existiert kein Bentley mehr im eigentlichen Sinn. Denn wenn der wohlhabende Gentleman-Fahrer noch zu den prächtigen Bentley Flying Spur oder Continental greifen konnte, ist die Bentley T1 nichts weiter als eine Silver Shadow mit verändertem Kühlergrill. Auf dem Genfer Salon 1982 sorgt Bentley für eine Überraschung, mit der man nicht rechnete: die Einführung eines echten eigenständigen Modells: der Mulsanne Turbo. Äußerlich bleibt sie der Cousine Silver Spirit sehr ähnlich, der „billige“ Kühlergrill, aber vor allem deutlich besser geformt, ermöglicht eine Leistungssteigerung von rund 35 Pferdestärken. Der gute alte „6¾“-V6? wird mit einem enormen Garrett-Turbolader versehen. Die Haus-Ingenieure schaffen das Kunststück, ihn völlig in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn es wäre unfein, die Besatzung wie in einer vulgären 911 Turbo zu durcheinanderzuschütteln. Vom Vergaser gespeist, ist der Verbrauch gigantisch, doch die Leistung ist da, ebenso der Erfolg. Rolls-Royce beschließt, die Entwicklung voranzutreiben, und präsentiert 1985 die Turbo R, für „Road Holding“, wörtlich „Straßentauglichkeit“. Hatte die Mulsanne noch nur einen starken Motor, bietet die Turbo R zusätzlich außerordentliche Straßenfähigkeiten. Keine andere Limousine der Luxusklasse hatte bis dahin solche Straßenleistungen geboten. Eine speziell entwickelte, pilotierte Federung kam zum Einsatz, und Avon entwickelte einen Reifen in 255/ 65 R15, der die unvorstellbaren Belastungen eines 2500 kg schweren Koloss bei über 220 km/ h aushält. Der Einsatz von Einspritzung trägt dazu bei, den Kraftstoffverbrauch drastisch zu senken. Wie üblich nennt das ehrwürdige Haus keinerlei Leistungsdaten, man schätzt etwa 320 PS. Jenseits dieser relativ bescheidenen Zahl ist es das Drehmoment, deutlich jenseits von 600 Newtonmetern, das das ganze Auto antreibt. Unempfindlich gegenüber Last, unempfindlich gegenüber Unebenheiten, vermittelt der Motor das Gefühl einer Generatoranlage, von der nichts zu stoppen scheint. Das äußere Erscheinungsbild setzt sich durch, mit einem spezifischen Bodykit und vier bedrohlich wirkenden Scheinwerfern. Man kann sich leicht vorstellen, wie letztere leuchten, links auf der Autobahnspur, um Platz zu schaffen, und den Lambda und dessen banalem BMW dahinter zu überholen… Um das Ganze zu veredeln und die Preisgestaltung zu rechtfertigen, die es einem ermöglicht, eine Mercedes-Kollektion zu kaufen, ist das Interieur speziell. Das Armaturenbrett harmoniert mit einer herrlichen Konsole, und die Instrumentierung umfasst ein elektronisches System zur Steuerung der Fahrzeugfunktionen, mit einem Multifunktionsdisplay, das den Fahrer über jeden Funktionsfehler informiert. Die Turbo R verbindet auf bestmögliche Weise Sportlichkeit, Technologie, Luxus und Tradition. Getreu dem Dogma Sir Henry Royces werden die Crewe-Ingenieure die Turbo R fortlaufend weiterentwickeln, ohne sie jemals zu revolutionieren. So wird sich das äußere Erscheinungsbild zwar nur wenig ändern bis zum Produktionsende, die Mechanik aber regelmäßig weiterentwickeln und in großen Schüben. So wird ab 1992 das Automatikgetriebe von 3 auf 4 Gänge umgestellt und erhält eine elektronische Motorsteuerung. Die größte Entwicklung betrifft die Modelle 95. Auf dem Programm stehen Motorverwaltungssoftware Zytec und die Kühlung der Aufladung durch einen Zwischenkühler. Bereits eine Gesellschaft von Gas, verwandelt sich der V8-Turbomotor in eine Nuklearkernanlage. So viele Bauteile werden dem Motor hinzugefügt, dass die Ingenieure sich für eine Kunststoffabdeckung entscheiden, um Rohre, Leitungen und diverse Verkabelungen zu verdecken. Es gibt kaum noch Platz für etwas anderes, man hat beinahe eine Beule auf der Motorhaube bekommen! So ausgestattet, wird die Leistung auf ca. 385 PS geschätzt. Es wird die ultimative mechanische Evolution darstellen; geringe ästhetische Änderungen werden in den letzten Versionen vorgenommen (Entfernung der Deflektoren an den Scheiben, neue Spiegel, bulligerer Stoßfänger, größere Räder…), und es gab einige Sonderserien, um die letzten Chassis, die 1997 produziert wurden, abzusetzen.
Kapitel 2: Die Geschichte unserer Bentley Turbo RL: Sie gehört zu den 1211 Exemplaren mit Lang chassis. Es handelt sich um die ultimative mechanische Evolution, produziert nur zwischen 95 und 97. Man kann sagen, dass diese Bentley eine wahre Rarität ist. Auffällig rar – diese Turbo R wird von einer dokumentierten Historie begleitet, die ihr Leben sauber nachzeichnen lässt. Ausgeliefert an das Garage de l’Athénée im März 95, einem Bentley-Händler in Genf, wird das Auto regelmäßig bis 2007 genutzt und zeigt dann 65. 000 km. Die Zulassung auf den Namen der ersten Besitzerin, einer älteren Dame, wird im August 2007 aufgehoben. Das Auto wird vom selben Händler eingelagert. Im Jahr 2010 überholt, verlässt es die Niederlassung jedoch nicht und legt in 2 Jahren lediglich 250 km zurück. 2014 verlässt es endgültig die Schweiz und kommt mit nur 68. 000 km nach Frankreich. Wir kaufen es 2019 von dem zweiten Besitzer und verkaufen es rasch an einen Sammler, der es…





















