Beschreibung
Der Rod Briggs AC6 Special von 1935 ist ein spannendes Beispiel für einen „Special“ – ein historisches Wettbewerbsauto, das um originale Vorkriegs-Mechanik herum aufgebaut wurde, aber über viele Jahrzehnte hinweg umfangreich weiterentwickelt. Er ist sowohl ein einsatzfertiges Renn- bzw. Konkurrenzfahrzeug als auch eine mobile Testplattform für die Ingenieursarbeit von Rod Briggs, einem anerkannten Spezialisten für AC-Sechszylinder-Motoren vor 1963.
Ursprünge
Die Basis des Fahrzeugs geht auf das Jahr 1935 zurück, als es als AC 16/ 70 vom Band lief – eines der letzten Vorkriegsmodelle von AC, angetrieben vom legendären 1991-ccm-OHC-Sechszylinder. Zu diesem Zeitpunkt hatte AC das alte Transaxle-Layout bereits aufgegeben und nach der Rettung der Firma durch die Hurlock-Brüder im Jahr 1930 auf ein konventionelleres Fahrwerks- und Getriebe-Setup umgestellt. Die überarbeiteten Wagen behielten den anspruchsvollen, von Weller konstruierten Motor, bekamen aber ein deutlich verbessertes Fahrgestell.
Der AC-Motor selbst war seiner Zeit voraus:
• Aluminiumblock mit Nasslaufbuchsen.
• Einzelner obenliegender Nockenwelle.
• Kettengetriebene Nockenwelle.
• Schräg gestellte Ventile im Crossflow-Stil.
• Produktionszeit von 1919 bis 1963 – eines der langlebigsten Motordesigns im britischen Straßenverkehr.
Vom Straßenwagen zum „Special“
Wie viele britische Sportwagen nach dem Krieg wurde der originale AC von 1935 irgendwann zu einem Special umgebaut. Solche Autos wurden oft von schwerem Touring-Carrosserieaufbau befreit und mit leichten Aluminiumkarosserien neu aufgebaut – speziell für Bergrennen, Sprints und VSCC-Events.
Auch wenn die genaue Chronologie der Verwandlung des Briggs-Wagens öffentlich nicht vollständig dokumentiert ist, hat er sich unter Rod Briggs’ Besitz kontinuierlich weiterentwickelt: zu einem stark entwickelten, aber dem Zeitraum treu gebliebenen Wettbewerbsgerät.
Briggs entschied sich dabei bewusst nicht dafür, ihn auf Werksstandard zurückzusetzen, sondern ihn im traditionellen Geist britischer Specials weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, mehr Performance herauszuholen, ohne die ursprüngliche Ingenieursphilosophie zu verraten.
Entwicklung unter Rod Briggs
Der Briggs Special ist inzwischen weit mehr als nur ein reines Konkurrenzauto.
Er ist das wichtigste Entwicklungsfahrzeug für das Technik-Know-how, das auf der AC6 Specialist-Website dokumentiert ist. Viele Komponenten, die heute für Besitzer weltweit angeboten werden, wurden zuerst für dieses Auto entworfen, getestet und bewährt, bevor sie anschließend für Kunden gefertigt wurden. Dazu gehören:
• neu gestaltete Wasserpumpen
• Billet-Kurbelwellen
• gefälschte bzw. geschmiedete Pleuelstangen
• verbesserte Schwungräder
• aufgerüstetes Steuertrieb
• verstärkte Kipphebel- bzw. Rocker-Mechanik
• moderne Öl-Dichtkonzepte
• zahlreiche Verbesserungen für Zuverlässigkeit
Rod Briggs erklärt, dass neu entwickelte Wasserpumpen und andere Komponenten zuvor „viele hundert schadenfreie Kilometer“ sowie heftigen Einsatz bei Bergrennen auf dem Briggs Special durchlaufen haben, bevor sie in die Produktion gingen.
Wettbewerbs- und Rennerfolge
Der Briggs Special ist regelmäßig zu sehen bei:
• Vintage Sports-Car Club-Bergrennen
• Speed Trials
• Sprint-Meetings
Wettbewerbsergebnisse, die von der VSCC veröffentlicht werden, zeigen, dass Rod Briggs über viele Jahre hinweg einen 1935er AC 16/ 70 (1991 ccm) einsetzt – ein Beleg für die anhaltende Wettbewerbsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Wagens.
Bedeutung
Der Briggs Special ist deshalb einflussreich geworden, weil er half, ein langjähriges Problem unter AC-Besitzern umzukehren.
In den 1960er bis 1990er Jahren wurden viele AC-Sechszylinder-Motoren zugunsten von Bristol-, Triumph- oder Ford-Aggregaten aussortiert, weil Teile und spezialisiertes Know-how rar wurden.
Durch das Wiederaufbauen von Motoren, das Nachfertigen von Komponenten und das Erproben auf seinem eigenen Competition-Car hat Rod Briggs dazu beigetragen, originale AC-Motoren wieder alltagstauglich und realistisch nutzbar zu machen. Seine Arbeit hat Restauratoren ermutigt, die authentische AC-Kraft beizubehalten, statt durch spätere Motoren zu ersetzen.
Ingenieursphilosophie
Im Unterschied zu vielen stark modifizierten Specials behält der Briggs-Wagen die wesentliche Architektur des ursprünglichen AC-Motors bei und verbessert die Haltbarkeit:
• originale 1991-ccm-OHC-Sechszylinder-Anordnung
• optisch zeittypisches Erscheinungsbild
• stärkere interne Komponenten
• verbessertes Schmieren
• bessere Kühlung
• bessere Abdichtung
• sorgfältig entwickelte Leistungssteigerungen statt radikaler Neuentwürfe
Das spiegelt Briggs’ Überzeugung wider, dass das ursprüngliche Weller-Design grundsätzlich hervorragend war und entsprechend verfeinert, statt ersetzt werden sollte.
Vermächtnis
Heute ist der 1935 Rod Briggs AC6 Special aus drei Gründen bedeutsam:
• Er bewahrt eines der fortschrittlichsten Vorkriegs-Motordesigns Großbritanniens im aktiven Wettbewerb.
• Er diente als Entwicklungsplattform für viele moderne Ersatzteile, die heute von AC-Besitzern weltweit genutzt werden.
• Er zeigt, dass der Vorkriegs-AC-Sechszylinder – konstruiert 1919 – bei sympathetischer, durchdachter Ingenieursarbeit auch im historischen Motorsport noch zuverlässig und konkurrenzfähig sein kann.
Auch wenn er nicht ganz so berühmt ist wie die Werks-Renn-ACs, ist der Briggs Special vermutlich zu einem der technisch einflussreichsten heute noch existierenden AC-gesteuerten Competition-Cars geworden – gerade wegen seiner Rolle beim Erhalt und der Weiterentwicklung des einzigartigen OHC-Sechszylinders der Marke.














